Die Entstehungsgeschichte des Velberter Bündnisses gegen Antisemitismus

von Gisbert Punsmann

Da die Problematik des Antisemitismus in Deutschland in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen hat, richtete die Kath. Kirchengemeinde St.Michael und Paulus Velbert im Jahr 2019 eine vierwöchige Anne-Frank-Ausstellung aus. Die Ausstellung richtete sich primär an weiterführende Schulen. Führungen bzw. individuelle Besuche der Ausstellung wurden zudem von vielen Velberter Bürgern wahrgenommen. Da die Ausstellung unter anderem ein umfangreiches zusätzliches Bildungsangebot mit diversen Abendveranstaltungen mit unterschiedlichen Referenten bzw. Partnerorganisationen vorsah, entwickelte sich dadurch schnell ein erstes Netzwerk mit Partnern zumeist von außerhalb Velberts. Zusätzlich verfügte die Kirchengemeinde St.Michael und Paulus im Rahmen der PCK (Partnerschaft christlicher Kirchen) über enge Kontakte mit anderen christlichen Gemeinden in Velbert. Im Rahmen der Ausstellung wurde schnell deutlich, wie wichtig es für das zukünftige Engagement gegen Antisemitismus sein würde, gemeinsam mit weiteren lokalen Velberter Gruppierungen bzw. Einzelpersonen ein breit aufgestelltes gesellschaftliches Bündnis gegen Antisemitismus zu gründen. Es gab bereits zu dieser Zeit einige weitere Velberter Initiativen gegen Antisemitismus, die aber ein eher punktuelles Engagement vertraten, das nur einen bestimmten Kreis an Interessenten ansprach. Diese Gruppen wollten sich zumeist auch weiterhin auf ihre bisherige wertvolle Arbeit konzentrieren und nicht notwendigerweise Teil eines größeren koordinierten Projekts werden.

Die Vorstellung von PR Punsmann als zuständigem Verantwortlichen der Kath. Kirchengemeinde ging in eine andere Richtung. Er wollte ein möglichst breit aufgestelltes gesellschaftliches Bündnis mit ganz unterschiedlichen Partnern schaffen, das sich öffentlichkeitswirksam an eine möglichst große Anzahl von Velberter Bürgern richtet. Zudem sollte dieses Bündnis nicht in erster Linie punktuell arbeiten, sondern die Problematik des Antisemitismus zielgerichtet auf verschiedensten Ebenen angehen. Da es bei der Stadt Velbert Mitarbeiter gibt, die für die Integration von Menschen in die Velberter Gesellschaft bzw. für Städtepartnerschaften und Jugendparlament zuständig sind, sprach PR Punsmann auch mit diesen Mitarbeitern, um auszuloten, ob sie mit ihrer Expertise und Engagement den Kampf gegen Antisemitismus mit unterstützen würden, da zumindest in einem weiteren Sinn dieses Engagement auch Teil ihres Arbeitsauftrags ist. Dieses Anliegen wurde von den städtischen Mitarbeitern gern mitgetragen, so dass neben dem Netzwerk der Kirchengemeinde das städtische Netzwerk mit den Schwerpunkten „Integration“ und „Beteiligung von Jugendlichen“ mit dazukam. Durch die gewünschten Synergieeffekte kam sehr viel Bewegung in das Antisemitismus-Engagement. Das war die eigentliche Geburtsstunde des „Velberter Bündnisses gegen Antisemitismus“. Innerhalb von kurzer Zeit stießen ca. 15 weitere Gruppierungen zum Gründungskreis dazu. Ein Ende ist noch nicht abzusehen.

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